Ich schlendere durch die engen Gassen der Souks in Marrakesch.
Auf der Suche nach einem Mitbringsel für meine Familie.
Ein Mofa rollt von hinten heran. Ich presse mich ängstlich seitlich an die Hauswand.
Es duftet nach Safran und Minze. Es stinkt nach Katzenpisse und Hühnerkacke.
Auf einem bis zwei Quadratmeter quetschen sich kleine Läden aneinander.
„Beautiful necklace!“, lobt ein Verkäufer meine selbstgebastelte Kette.
Noch bevor ich danken kann, schiebt er hinterher:
„I have many more beautiful necklaces for sale!“
Es war wohl doch kein ehrliches Kompliment.
Eine Kette aus Glasperlen baumelt mir vor der Nase.
„We make 50:50. I pay 50, you pay 50! Deal?“, bedrängt er mich.
Enttäuscht laufe ich weiter.
Ein Stand mit Keramikgeschirr taucht zu meiner Linken auf.
Interessiert betrachte ich die bunte Auslage.
Der Verkäufer beobachtet mich aufmerksam und steht von dem Hocker auf.
Wir verhandeln um eine blaue Keramikschale, die mir gut gefällt.
Er spricht Französisch mit mir, was ich gut verstehe.
„100 Dirham“, lautet sein erstes Angebot. Völliger Wucher.
„50 Dirham“, biete ich und halte mich an das ungeschriebene Gesetz, erstmal die Hälfte zu bieten.
„80 Dirham, letztes Angebot!“, sagt er aufgeregt.
„Für mehr als 60 Dirham kaufe ich die Schale nicht“, lege ich nach.
„Nein, das geht nicht! Unter 70 kann ich ich nicht gehen, da schlägt mich meine Frau daheim!“
Emotional erpressen lasse ich mich nicht, also verlasse ich den Laden mit leeren Händen.
„Na, alles in Butter?“, ruft mir jemand auf Deutsch entgegen.
Ich drehe mich überrascht um und erblicke einen Berber mit Turban auf dem Kopf.
„Sie sprechen Deutsch?“, frage ich verwundert.
„Ja, etwas Deutsch. Aber mein Französisch besser“, erklärt er und deutet einladend auf seinen kleinen Laden.
Kurz darauf sitze ich auf einem Stapel Berberteppiche und trinke einen stark gesüßten Minztee.
Wir unterhalten uns in einer wilden Mischung aus Deutsch, Französisch und Englisch. Amine erzählt mir, dass er in einem Berbercamp in der Sahara lebt.
In die Stadt kommt er nur, um seinen handgehämmerten Silberschmuck und Teekannen sowei allerlei Krempel zu verkaufen.
Ich lerne in unserem Gespräch viel über die Kultur der Berber, die schon seit 9000 Jahren hier in Marokko leben. Lange bevor die Araber kamen und das Land muslimisch prägten.
Er zeigt mir eine seltsam geformte Silbergabel und meint, wenn ich errate, was es ist, schenkt er mir was. Nach langem Überlegen erkenne ich ein Lesezeichen, das Bücher offen hält.
Lachend schenkt er mir ein Paar Ohrringe. Ich kaufe eine dazu passende Kette.
Nach fast einer halben Stunde gibt er mir seine Handynummer.
Für den Fall, dass ich mal ein echtes Wüstenerlebnis suche.
Die Medina von Marrakesch hat ihren ganz eigenen Charme.
Die Medina von Marrakesch

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