Buchdruck wie vor 500 Jahren

Wie hat man vor 500 Jahren Bücher gedruckt?
Dank einer Rundmail von Prof. Bettina Otto habe ich spontan im Fliegenkopf Muenchen vorbeigeschaut. Dort kann man heute zum offenen Tag der Druckkunst die Werkstatt besichtigen und auch selbst zwei Gedichte mit Schriftsatzbeispielen drucken. Es ist faszinierend, selbst auszuprobieren, wie der von Johannes Gutenberg im Jahr 1450 erfundene Buchdruck mit beweglichen Bleilettern funktioniert.

In unserer heutigen digitalisierten Welt machen wir uns selten Gedanken über Druck. Am Computer schreibt man einfach in der gewünschten Schriftart einen Text, formatiert den Text mit wenigen Klicks und druckt die Seite innerhalb weniger Sekunden aus. Der Bleisatzdruck war damals eine Revolution, da man zuvor Bücher nur von Hand schreiben konnte oder eine Seite in Holz geschnitzt hat für den Druck. Man setzt Buchstabe für Buchstabe die Bleilettern in ein Satzschiffchen, aufwendig und mühselig Zeile für Zeile. Die fertigen Zeilen werden in einen Rahmen gespannt und mit einer Rolle wird Farbe aufgetragen. Dann wird ein Blatt Papier eingespannt und durch die Walze gezogen. Fertig ist der Bleisatzdruck!

Eine erfahrene Schriftsetzerin wie Christa Schwarztrauber schafft es, innerhalb von eineinhalb Stunden eine Seite im Gedichtsatz zu setzen. Ich hingegen bräuchte vermutlich bis zu vier Stunden pro Seite. Dabei keine Fehler zu machen ist schwer, denn man setzt spiegelverkehrt und so ein 12-Punkt-Buchstabe ist ziemlich winzig. Wenn der Buchstabe Kopf steht, nennt man das „Fliegenkopf“, daher der Name der Werkstatt.

Diese Tradition am Leben zu halten, damit sie nicht in Vergessenheit gerät, ist eine wichtige Aufgabe. Mein tieferes Verständnis für Typographie verdanke ich dieser Erfahrung und auch meiner Kalligraphieübungen. Wer schon mal mit Feder und Tusche eine Frakturschrift geschrieben hat, versteht, dass man Buchstaben nicht schreibt, sondern zeichnet. Das kann man auch digital machen, also seine eigene Schriftart erfinden. Ich werde auf jeden Fall nochmal zu Besuch kommen, um ein eigenes Gedicht von Hand zu setzen und eine kleine Auflage davon zu drucken.



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