Eine Vase voller Wildblumen steht auf dem Tisch
Frisch gepflückt und zum langsamen Sterben verdammt
In weißem, wallenden Gewand
Wandelte sie an seelischen Abgründen entlang
Kein vernünftiges Wort drang an ihr Ohr
Bis auf die Geister, die sie riefen
Wenn alle anderen schliefen
Sie lauschte dem fernen Rauschen des Meeres
Mit jeder ratlosen Nacht rückte es näher
Bis sie sich aufgab, dem Wasser hingab
Eine kalte Umarmung von wütend schäumender Gischt
Und die Wellen verschlangen jeden bösen Gedanken
Oh Ophelia, die Entrückte
Ging in Tagträumen verloren
Sprach mit Bäumen und mit Blumen
Oh Ophelia, die Verrückte
Ach hätte man nur früher geblickt
Sie war nicht so verrückt
Wie die Welt, die sie umgibt
Oh Ophelia, die Bedrückte
Welch tragisches Schicksal
Dem Leser ein Mahnmal
Von „weiblicher Hysterie und Geisteswahn“
Doch man tat ihr große Unrecht an
Denn was aus der Feder des Dichters entsprang
Ist heute noch von Belang
Man tötete ihren Vater, raubte ihr die Freiheit, die Liebe und den Glauben an das Gute
Was blieb ihr übrig, als Selbstmord zu versuchen?

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