Ungeduldig tippt sie auf dem Display herum. DIN A4 oder DIN A3? Einseitig oder zweiseitig bedruckt? Schwarz oder farbig? Der Drucker lässt sich nicht aus der Ruhe bringen und spuckt in gleichmäßigen Abständen Papierbögen aus. Die Kopie einer Kopie einer Kopie.
Sie streicht geistesabwesend über das weiche, warme Papier und verliert sich in Tagträumen darüber, wie sich seine weiche, warme Haut unter ihren Fingern angefühlt hat. Mit einem sehnsuchtsvollen Seufzer lehnt sie sich an den Türrahmen des kleinen Kopierraums, so wie sie sich immer an seine Schulter lehnte. Nur 7 Quadratmeter hier, doch ihre Gedanken fliegen unendlich weit. Weit weg zu ihm…
Ein lautes Piepsen reißt sie zurück in die Realität. Papierstau! Nun auch Gedankenstau. Flink huschen ihre Finger übers Display. Der Nagellack blättert ab, wie der alte Putz an den Wänden. Nichts als weiß und weiß ist nichts. Eine leere Projektionsfläche voller Möglichkeiten. Sie wendet beschämt den Blick ab, auf der Suche nach Ablenkung.
Ein winziges Fenster reduziert den endlosen Himmel auf ein kleines Quadrat. Wie Wimpern umrahmt es den Blick nach draußen. Ein Lichtblick im schnöden Büroalltag. Nicht mehr als ein paar Sonnenstrahlen, gefiltert doch bruchsicheres Glas.
Irritiert schaut sie auf den Papierstapel in ihren Händen hinab, als hätte er sich soeben erst materialisiert. Unzählige bedeutungslose Kopien, die Tinte verblasst auf den letzten Blättern. Manchmal fühlt sie sich wie eine Kopie ihrer selbst, so oft vervielfältigt, bis dass Original nicht mehr zu finden ist. Nur eine sinnlose Aneinanderreihung von schwarzen Druckbuchstaben auf weißem Nichts. Im Sonnenlicht verblassend.
Sie blinzelt die Tränen weg und öffnet leise und sachte die Tür. Noch ein letzter leerer Blick über die Schulter, dann wird sie vom dunklen Flur verschluckt.
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